Streit um die Allgemeinen Geschäftsbedingungen: Wie lassen sich Streitigkeiten darüber beim Export nach Deutschland vermeiden?

Wie Sie es (hoffentlich) von grenzüberschreitenden Transaktionen gewohnt sind, senden Sie Ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen zusammen mit Ihrem Angebot. Ihr deutscher Kunde verfährt ebenso mit seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen bei Auftragsannahme. Was geschieht nun, wenn keine der Parteien dies beachtet und entsprechende Maßnahmen ergreift? Bei grenzüberschreitenden Verträgen zwischen den Niederlanden und Deutschland entstehen häufig (nachträgliche) Streitigkeiten darüber, welche Allgemeinen Geschäftsbedingungen gelten. Juristisch spricht man hier von einem „ Formularstreit “. Wenn Sie grenzüberschreitend geschäftlich tätig sind, ist es wichtig, die rechtlichen Konsequenzen sowohl nach niederländischem als auch nach deutschem Recht vollständig zu verstehen.

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Wie Sie es (hoffentlich) von grenzüberschreitenden Transaktionen gewohnt sind, senden Sie Ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen zusammen mit Ihrem Angebot. Ihr deutscher Kunde verfährt ebenso mit seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen bei Auftragsannahme. Was geschieht nun, wenn keine der Parteien dies beachtet und entsprechende Maßnahmen ergreift? Bei grenzüberschreitenden Verträgen zwischen den Niederlanden und Deutschland entstehen häufig (nachträgliche) Streitigkeiten darüber, welche Allgemeinen Geschäftsbedingungen gelten. Juristisch spricht man hier von einem „ Formularstreit “. Wenn Sie grenzüberschreitend geschäftlich tätig sind, ist es wichtig, die rechtlichen Konsequenzen sowohl nach niederländischem als auch nach deutschem Recht vollständig zu verstehen.

Was ist ein Formenkampf?

Ein Formularstreit entsteht, wenn beide Parteien eines Geschäftsvertrags auf ihre eigenen Allgemeinen Geschäftsbedingungen verweisen, die ihnen auch ordnungsgemäß zugestellt wurden. Dies geschieht oft unbeabsichtigt: Sie senden ein Angebot mit Ihren Bedingungen, und die andere Partei antwortet mit einer Auftragsbestätigung, die ihre eigenen Bedingungen enthält. Wenn anschließend keine der Parteien die Bedingungen der anderen ausdrücklich ablehnt, entsteht Unklarheit. Welche Bedingungen gelten dann?

Die Antwort darauf hängt vom anwendbaren Recht ab. Und genau darin liegt ein wichtiger Unterschied zwischen den Niederlanden und Deutschland.

Wie funktioniert das in den Niederlanden? (Erster-Schuss-Regel)

In den Niederlanden gilt Artikel 6:225 Absatz 3 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Dieser lautet wie folgt:

Beziehen sich Angebot und Annahme auf unterschiedliche Bedingungen, so ist die zweite Bezugnahme nur dann wirksam, wenn die Geltung der in der ersten Bezugnahme genannten Allgemeinen Geschäftsbedingungen ebenfalls ausdrücklich verneint wird.

Wir nennen dies auch die erste Schussregel . Konkret bedeutet dies:

  • Im Falle eines Widerspruchs zwischen den Allgemeinen Geschäftsbedingungen gelten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Partei, die zuerst auf ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen Bezug genommen hat.
  • Die andere Partei muss diese Bedingungen ausdrücklich ablehnen, damit die ersten Bedingungen nicht Anwendung finden. Andernfalls bleiben die ersten Bedingungen weiterhin anwendbar.

Beispiel:
Ein niederländischer Lieferant sendet ein Angebot mit seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Der deutsche Kunde bestellt auf Grundlage seiner eigenen Einkaufsbedingungen, erwähnt aber die zuvor beigefügten Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Lieferanten nicht. In diesem Fall gelten nach niederländischem Recht die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Lieferanten.

In der Praxis entstehen Streitigkeiten, sobald beide Parteien auf ihre eigenen Geschäftsbedingungen verweisen, ohne dass eine gegenseitige Ablehnung oder eine klare Vertragsentscheidung getroffen wurde. Dies birgt insbesondere bei internationalen Transaktionen ein hohes Risiko.

Wie funktioniert das in Deutschland? (K.-o.-Regel)

In Deutschland wird der Formularkampf anders gehandhabt. Dort gilt die sogenannte K.-o.-Regel , auch Restgültigkeitstheorie genannt. Bei widersprüchlichen Allgemeinen Geschäftsbedingungen werden die einander widersprechenden Bestimmungen für nichtig erklärt. Nur die nicht widersprüchlichen Teile bleiben gültig. Die dadurch entstehenden Lücken werden durch das anwendbare Gesetz geschlossen.

Kurz zusammengefasst:

  • Beide Parteien verweisen auf ihre eigenen Geschäftsbedingungen.
  • Widersprüchliche Bestimmungen finden keine Anwendung.
  • Widersprüchliche Bestimmungen bleiben in Kraft.
  • Der Rest wird durch ergänzende Gesetze, wie beispielsweise das BGB (das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch), geregelt.

Beispiel:
Ein deutscher Teileexporteur verweist in seinem Angebot auf Lieferbedingungen, die die Haftung ausschließen, außer bei Vorsatz, grober Fahrlässigkeit und zwingender gesetzlicher Haftung. Der niederländische Käufer bestätigt die Bestellung, verweist aber gleichzeitig auf seine eigenen Einkaufsbedingungen, nach denen der Lieferant für alle direkten und indirekten Schäden vollumfänglich haftet. Nach deutschem Recht sind diese Bestimmungen im Falle eines „Formularkonflikts“ widersprüchlich und daher beide nicht anwendbar. Zur Bestimmung der Haftung greifen somit die gesetzlichen Regelungen.

Dieser Ansatz verhindert, dass eine Partei automatisch „gewinnt“, nur weil sie etwas als Erste oder Letzte gesendet hat. Er erhöht jedoch auch das Risiko rechtlicher Unsicherheit, da nicht immer klar ist, wo das Gesetz eingreift.

Niederlande gegen Deutschland: Die Unterschiede auf einen Blick

Thema Niederländisches Recht (Erstschussregel) Deutsches Recht (Knock-out-Regel)
Anwendbare Regel Art. 6:225 Abs. 3 des niederländischen Zivilgesetzbuches. Fallrecht / Doktrin Restgültigkeitstheorie
Wer gewinnt? Derjenige, der sich zuerst meldet, es sei denn, er wird ausdrücklich zurückgewiesen. Auch nicht: Widersprüchliche Bestimmungen fallen weg.
Folgen im Falle einer Kollision Es gelten Anfangsbedingungen. Es bleiben nur noch die sich nicht widersprechenden Bestimmungen übrig.
Rolle der ergänzenden Gesetzgebung Keine Rolle, wenn Bedingungen zuerst erfüllt sind Schließt „Lücken“ bei widersprüchlichen Bestimmungen.
Praktische Auswirkung Einseitige Schecks werden an die schnellere Partei ausgestellt. Mehr Ausgewogenheit, aber ohne Vertrag potenzielle Unsicherheit.

Wie lässt sich ein Kampf der Formen verhindern?

Die beste Waffe im Formularstreit sind klare Vereinbarungen. Daher stellen wir Ihnen gerne fünf konkrete Strategien vor:

  1. Beziehen Sie sich ausdrücklich auf Ihre Bedingungen und lehnen Sie die der anderen Partei ab: Geben Sie dies in Ihrem Angebot, Ihrer Auftragsbestätigung oder Ihrer E-Mail nachdrücklich an.
  2. Verlangen Sie eine ausdrückliche Zustimmung: Lassen Sie sich von Ihrem Kunden oder Lieferanten bestätigen, dass Ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen gelten.
  3. Vereinbarungen im Vertrag festhalten: Im Vertrag angeben, welche Bedingungen gelten, und diese als Anhang beifügen.
  4. Fügen Sie eine Klausel über Abweichungen hinzu: Legen Sie fest, dass im Falle eines Widerspruchs der Vertrag Vorrang hat und die Bedingungen nur ergänzend gelten.
  5. Verwenden Sie einen Nachtrag für Ausnahmen: Wenn Sie Abweichungen doch noch zustimmen, dokumentieren Sie diese separat. Das beugt späteren Streitigkeiten vor.

Was, wenn Verhandlungen nicht möglich sind?

In manchen Fällen gibt es bei Vertragsabschluss keinen Verhandlungsspielraum. Große Unternehmen oder staatliche Stellen wollen den Vertrag ausschließlich zu ihren eigenen Bedingungen abschließen. Dann gilt das Prinzip: Unterschreiben oder nicht unterschreiben.

Dennoch lohnt es sich, sorgfältig zu dokumentieren, was Sie akzeptieren und was nicht. Vorzugsweise schriftlich und stets in Absprache mit einem Rechtsberater.

Abschließend: Wählen Sie nicht nur eine Reihe von Bedingungen, sondern auch das passende Recht.

Im Kampf der Formen geht es nicht nur um Bedingungen, sondern auch um die Frage:

  • welches Gesetz Anwendung findet
  • welches Gericht zuständig ist
  • und in welcher Sprache der Vertrag aufgesetzt ist

Treffen Sie diese Entscheidung bewusst und dokumentieren Sie sie ausdrücklich. Nur so vermeiden Sie Überraschungen im Falle eines Konflikts.

Lesen Sie auch:Allgemeine Geschäftsbedingungen in Deutschland – wie funktionieren die eigentlich?

Wollen Sie sichergehen, dass Ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen auch weiterhin gültig sind?

Lassen Sie Ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Verträge von Spezialisten prüfen, die mit niederländischem und deutschem Recht vertraut sind. Dies hilft Ihnen, Missverständnisse zu vermeiden und Ihre Position in grenzüberschreitenden Angelegenheiten zu stärken.

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